A
Anforderungskatalog
Praktische Bezeichnung für eine Zusammenstellung verlangter Eigenschaften oder Nachweise. Der Begriff bezeichnet kein einheitliches Vergabeformular. Anforderungen können in mehreren Dokumenten stehen und unterschiedliche rechtliche Funktionen haben.
Angebotsfrist
Die Angebotsfrist bezeichnet den Zeitpunkt, bis zu dem das Angebot auf dem vorgeschriebenen Weg eingegangen sein muss. Das bloße Beginnen eines Uploads ist kein verlässlicher Nachweis der rechtzeitigen Abgabe.
Ausschlussgründe
Bestimmte Umstände können oder müssen zur Nichtberücksichtigung eines Unternehmens führen. Zwingende und fakultative Ausschlussgründe sind zu unterscheiden; sie sind nicht mit jeder formalen Unvollständigkeit gleichzusetzen.
B
Beschränkte Ausschreibung
Bei dieser nationalen Verfahrensart werden ausgewählte Unternehmen zur Angebotsabgabe aufgefordert. Sie kann mit oder ohne vorherigen Teilnahmewettbewerb erfolgen.
Bieterfrage
Eine Frage an die Vergabestelle soll unklare Unterlagen oder Anforderungen klären. Sie wird über den vorgesehenen Kommunikationsweg gestellt. Eine sachliche Rückfrage ist nicht automatisch eine vergaberechtliche Rüge.
Bietergemeinschaft
Mehrere Unternehmen geben gemeinsam ein Angebot ab. Mitglieder, Vertretung, Aufgaben und geforderte Nachweise müssen entsprechend den Vergabeunterlagen geklärt werden.
Bindefrist
Sie bezeichnet den Zeitraum, in dem der Bieter an sein Angebot gebunden ist. Sie ist von der Frist zur Einreichung des Angebots zu unterscheiden.
C
Ein CPV-Code ordnet den Beschaffungsgegenstand einem gemeinsamen europäischen Begriffsverzeichnis zu. Er hilft bei der Suche, ersetzt aber nicht die Prüfung von Titel, Los und Leistungsbeschreibung.
Begriff mit Beispiel verstehen ↗E
EEE
Die Einheitliche Europäische Eigenerklärung dient im einschlägigen EU-Verfahren als vorläufiger Nachweis zu Eignung und Ausschlussgründen. Sie ist keine allgemeine Befreiung von später erforderlichen Belegen.
Eigenerklärung
Das Unternehmen bestätigt bestimmte Tatsachen selbst, beispielsweise zu verlangten Eignungsangaben. Welche Erklärung wann genügt und welche weiteren Nachweise erforderlich sind, ergibt sich aus den Vorgaben des Verfahrens.
Diese Kriterien betreffen die Fähigkeit eines Unternehmens, den Auftrag auszuführen. Im GWB-System beziehen sie sich auf Berufsausübung sowie wirtschaftliche, finanzielle, technische und berufliche Leistungsfähigkeit. Sie sind von der Bewertung des Angebots zu unterscheiden.
Begriff mit Beispiel verstehen ↗Eignungsleihe
Ein Unternehmen nutzt für bestimmte Eignungsanforderungen die Kapazitäten eines anderen Unternehmens. Die tatsächliche Verfügbarkeit muss belegt werden. Ein bloßer Hinweis auf einen bekannten Partner genügt nicht.
G
GWB
Das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen enthält in seinem vierten Teil wesentliche Regeln für öffentliche Vergaben im Oberschwellenbereich. Dazu gehören Voraussetzungen der Teilnahme und Rechtsschutz.
L
Leistungsbeschreibung
Sie beschreibt, was der Auftraggeber beschaffen will und unter welchen Bedingungen die Leistung erfolgen soll. Daraus muss erkennbar sein, welche Leistung angeboten werden soll.
Ein LV gliedert die ausgeschriebenen Leistungen in Positionen. Häufig stehen dort Mengen, Einheiten und Beschreibungen. Für die Kalkulation müssen auch Vorbemerkungen und weitere Vertragsunterlagen gelesen werden.
Begriff mit Beispiel verstehen ↗Ein Los ist ein gesonderter Teil einer Beschaffung. Fachlose trennen verschiedene Fachleistungen, Teillose teilen den Umfang mengenmäßig. Die Losstruktur und die Vergabevorgaben bestimmen, welchen Teil ein Betrieb anbieten kann.
Begriff mit Beispiel verstehen ↗N
Nachforderung
Die Vergabestelle fordert im rechtlich zulässigen Rahmen fehlende Unterlagen oder deren Ergänzung beziehungsweise Korrektur an. Welche Möglichkeiten bestehen, hängt vom Regelwerk und den Unterlagen ab; ein Betrieb sollte nicht pauschal mit einer späteren Nachforderung planen.
Nachprüfungsverfahren
Ein förmliches Verfahren zur Kontrolle einer Vergabe, im GWB-System vor der Vergabekammer. Antragsbefugnis und Zulässigkeitsvoraussetzungen müssen erfüllt sein. Für Unterschwellenvergaben bestehen andere, teils landesabhängige Wege.
Nachunternehmer
Ein anderes Unternehmen übernimmt einen Teil der Leistung für den Hauptauftragnehmer. Das ist nicht automatisch Eignungsleihe. Benennung und Nachweise richten sich nach den Anforderungen des Verfahrens.
Nebenangebot
Ein Nebenangebot schlägt eine abweichende Lösung vor. Zulässigkeit, Mindestanforderungen und Einreichungsform müssen im jeweiligen Verfahren geprüft werden.
Nicht offenes Verfahren
Bei dieser EU-Verfahrensart geht der Angebotsphase ein öffentlicher Teilnahmewettbewerb voraus. Nur die ausgewählten Bewerber werden anschließend zur Angebotsabgabe aufgefordert.
O
Offenes Verfahren
Im EU-Vergabebereich kann grundsätzlich jedes interessierte Unternehmen unmittelbar ein Angebot einreichen. Eignung, Unterlagen, Fristen und Formanforderungen müssen trotzdem eingehalten werden.
Ö
Öffentliche Ausschreibung
Im nationalen Vergaberecht bezeichnet dies eine Verfahrensart, bei der eine unbeschränkte Zahl von Unternehmen öffentlich zur Angebotsabgabe aufgefordert wird. Umgangssprachlich wird der Begriff auch weiter verwendet.
P
Präqualifikation, PQ-VOB
Bei der Präqualifikation werden Eignungsnachweise von Bauunternehmen vorab und auftragsunabhängig geprüft. Der Eintrag erleichtert den Nachweis; zusätzliche Anforderungen der konkreten Ausschreibung bleiben zu prüfen.
R
Referenzen
Referenzen beschreiben bereits erbrachte Leistungen und können verlangte Erfahrung belegen. Vergabestellen können Vorgaben zu Inhalt und Vergleichbarkeit machen; eine allgemeine Kundenliste genügt nicht automatisch.
Rüge
Mit einer Rüge beanstandet ein Unternehmen einen vermuteten Vergaberechtsverstoß gegenüber dem Auftraggeber. Im GWB-Nachprüfungsrecht können besondere Fristen entscheidend sein; eine gewöhnliche Nachfrage ersetzt sie nicht zuverlässig.
S
EU-Schwellenwerte grenzen den Oberschwellenbereich ab. Maßgeblich ist grundsätzlich der geschätzte Auftragswert ohne Umsatzsteuer; Auftragsart und Auftraggeber bestimmen den passenden Wert. Nationale Wertgrenzen sind eine andere Regelungsebene.
Begriff mit Beispiel verstehen ↗T
Teilnahmewettbewerb
Unternehmen bewerben sich zunächst um die Teilnahme. Der Auftraggeber wählt anhand der bekannt gegebenen Anforderungen diejenigen aus, die zur nächsten Verfahrensstufe zugelassen werden.
U
Die Unterschwellenvergabeordnung regelt die Vergabe von Liefer- und Dienstleistungen unterhalb der EU-Schwellenwerte, soweit ihre Anwendung vorgeschrieben ist. Sie gilt nicht allein aufgrund ihrer Veröffentlichung automatisch überall.
Begriff mit Beispiel verstehen ↗V
Vergabestelle
So wird üblicherweise die Stelle bezeichnet, die das Vergabeverfahren organisiert. Sie stellt Unterlagen bereit und steuert die Kommunikation; sie muss nicht selbst der spätere Vertragspartner sein.
Vergabeunterlagen
Dazu gehören die Informationen, mit denen ein Unternehmen Teilnahme und Angebot vorbereitet: Verfahrensvorgaben, Leistungsbeschreibung und Vertragsbedingungen. Ein heruntergeladenes Leistungsverzeichnis allein bildet häufig nur einen Teil davon ab.
Verhandlungsverfahren
Eine Verfahrensart im EU-Vergabebereich, bei der Verhandlungen unter festgelegten Regeln möglich sind. Sie bedeutet nicht, dass sämtliche Anforderungen oder jedes Angebot beliebig verhandelbar wären.
Verhandlungsvergabe
Eine Verfahrensart für Liefer- und Dienstleistungen im Anwendungsbereich der UVgO. Voraussetzungen und Ablauf sind vom EU-Verhandlungsverfahren und der freihändigen Bauvergabe zu unterscheiden.
Die Vergabeverordnung konkretisiert öffentliche Vergabeverfahren insbesondere für Liefer- und Dienstleistungen im Oberschwellenbereich. Für Bauaufträge gelten bestimmte Teile der VgV; im Übrigen verweist § 2 auf VOB/A Abschnitt 2. Planungslose sind gesondert geregelt.
Begriff mit Beispiel verstehen ↗Teil A der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen beschreibt die Vergabe von Bauaufträgen. Welcher Abschnitt anzuwenden ist, hängt unter anderem vom Vergabebereich ab.
Begriff mit Beispiel verstehen ↗Teil B enthält allgemeine Vertragsbedingungen für die Ausführung von Bauleistungen, etwa zu Leistung, Vergütung und Abnahme. Für ihre Anwendung ist die vertragliche Einbeziehung maßgeblich.
Begriff mit Beispiel verstehen ↗Teil C der VOB umfasst Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen. Sie können unter anderem Ausführung, Nebenleistungen und Abrechnung betreffen. Für den Betrieb ist zu prüfen, welche ATV-Ausgaben zum konkreten Vertrag gehören.
Begriff mit Beispiel verstehen ↗Die VOL/A ist ein älteres Regelwerk für die Vergabe von Liefer- und Dienstleistungen. Die heutige Einordnung erfolgt insbesondere über VgV und UVgO; im Unterschwellenbereich muss der konkrete Anwendungsbefehl geprüft werden.
Begriff mit Beispiel verstehen ↗Z
Zuschlag
Mit dem Zuschlag wird das ausgewählte Angebot angenommen. Die Auswahl richtet sich nach den geltenden Vergaberegeln und den bekannt gegebenen Kriterien. Eine gute Eignung allein sichert keinen Auftrag.
Nach diesen Kriterien wird das wirtschaftlichste Angebot ermittelt. Je nach Vergabe zählen neben Preis oder Kosten auch Qualitätsaspekte. Entscheidend ist die tatsächlich bekannt gegebene Wertung.
Begriff mit Beispiel verstehen ↗