Zuschlagskriterien bestimmen, welches Angebot im Vergabeverfahren wirtschaftlich am besten abschneidet. Im GWB-System wird dafür das Preis-Leistungs-Verhältnis bewertet. Neben Preis oder Kosten können beispielsweise qualitative, umweltbezogene oder soziale Gesichtspunkte zählen. Entscheidend sind die bekannt gegebenen Kriterien und ihre Wertung, nicht die persönliche Vorstellung des Bieters davon, was ein gutes Angebot ausmacht. § 127 GWB
Preis, Qualität und Gewichtung zusammen lesen
Eine Ausschreibung kann eine reine Preiswertung vorsehen oder mehrere zulässige Kriterien kombinieren. Werden etwa Qualität und Preis gewertet, muss der Betrieb verstehen, welche Unterlagen die Qualitätsbewertung ermöglichen und welchen Einfluss diese Bewertung hat. § 58 VgV regelt mögliche Kriterien und ihre Gewichtung im VgV-Anwendungsbereich. Unter bestimmten Voraussetzungen kann dabei auch das konkret eingesetzte Personal relevant sein. § 58 VgV
Das Fehlen einer geforderten Qualitätsdarstellung ist deshalb nicht nur eine gestalterische Schwäche. Wenn diese Unterlage wertungsrelevant ist, können eine spätere Ergänzung oder Nachforderung rechtlich begrenzt sein. Erstellen Sie die Darstellung gleich anhand der vorgegebenen Fragen und Vorgaben. § 56 VgV
Fiktives Elektro-Beispiel
Eine kommunale Beschaffung umfasst Leuchten und ein begleitendes Servicepaket. Das fiktive Verfahren gewichtet den Preis mit 70 Prozent und ein konkret beschriebenes Servicekonzept mit 30 Prozent. Diese Zahlen sind ein frei gewähltes Beispiel, keine übliche oder vorgeschriebene Gewichtung.
Der Betrieb prüft nun zwei getrennte Aufgaben. Für den Preis kontrolliert er das verlangte Preisblatt und sämtliche enthaltenen Leistungen. Für das Servicekonzept beantwortet er die genannten Wertungspunkte, etwa Organisation und Erreichbarkeit. Ein allgemeiner Firmenprospekt kann die geforderte auftragsbezogene Darstellung nicht zuverlässig ersetzen.
Auch die Umrechnung in Wertungspunkte ist relevant. 70 Prozent Preisgewicht bedeuten nicht, dass sich jede beliebige Preissenkung oder Qualitätsverbesserung automatisch im gleichen Umfang auswirkt. Ohne die bekannt gegebene Wertungsmethode kann der Betrieb keine belastbare Siegerrechnung erstellen. Unklare Vorgaben werden deshalb anhand ihrer Fundstelle hinterfragt.
Eignung und Zuschlag auseinanderhalten
Eignungskriterien betreffen die Leistungsfähigkeit des Unternehmens. Zuschlagskriterien beziehen sich auf die Auswahl des wirtschaftlichsten Angebots. Die Unterscheidung ist sachlich; sie schreibt nicht pauschal vor, in welcher Reihenfolge die Vergabestelle sämtliche Prüfungsschritte abarbeitet.
Ein Betrieb kann die Eignung erfüllen und dennoch schlechter bewertet werden. Umgekehrt gleicht ein niedriger Preis nicht automatisch eine unerfüllte Mindestanforderung aus. Die Angebotsbearbeitung sollte daher Muss-Anforderungen und wertungsfähige Qualitätsmerkmale sichtbar getrennt erfassen.
Prüffrage: Können wir für jedes Zuschlagskriterium erklären, wie es bewertet wird und mit welcher konkreten Angebotsunterlage wir darauf antworten?
Verwandte Begriffe: Eignungskriterien, VgV und Leistungsverzeichnis. Nächster Schritt: Wertungsanforderungen in die Anforderungsmatrix übernehmen.
Redaktionell geprüft am 08.09.2026. Rechtlicher Schwerpunkt: GWB und VgV; bei anderen Vergaberegelwerken die einschlägigen Bestimmungen heranziehen.
Quellen und weiterführende Grundlagen
Maßgeblich sind das anwendbare Regelwerk und die aktuellen Vergabeunterlagen. Diese Orientierung ersetzt keine Prüfung des Einzelfalls.